ÖDP erhebt ihre Stimme für behinderte Mitbürger

Amberg. Eine Baustelle von ca. 60 mal 100 Metern mit einer überbauten Fläche von 8400 m² auf mehreren Stockwerken. Allein die Ausmaße der Baustelle für die neuen Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach e. V. an der Leopoldstraße, die der ÖDP-Kreisvorstand bei einem Ortstermin besichtigte, sind schon beeindruckend. Nicht minder beeindruckend ist auch das Investitionsvolumen von ca. 23 Mio. Euro. Das entspricht in etwa der Bausumme, die der Investor Ten Brinke in den nächsten Jahren in das Bürgerspitalgelände in der Altstadt stecken will. Vorbildlich ist das mehrteilige Energiekonzept des Neubaus. Auf Nachfrage von ÖDP-Vorstandsmitglied Alexander Dehnert erklärte Bernhard Albrecht, der Geschäftsführer der Jura-Werkstätten e. V., dass der Wärme-Bedarf von einem Blockheizkraftwerk, einer Hackschnitzelheizung und einem Gas-Brennwertkessel für Verbrauchsspitzen abgedeckt werde. Außerdem werden auf einer Fläche von 800 m² Photovoltaikmodule installiert, die die Versorgung mit Eigenstrom unterstützen.

Die Jura-Werkstätten e. V. werden mit ihrem Neubau dann in Amberg für 355 Menschen einen Arbeitsplatz anbieten können. Möglich wurde der Neubau bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des laufenden Betriebes durch einen Grundstückstausch mit der Bayernland eG. .

Wie Eduard Freisinger, der 1. Vorsitzende der Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach e. V. erklärte, würden Menschen mit Behinderung aber nicht allein in den Werkstätten Beschäftigung finden, sondern auch in JuraGrün mit vielen Tätigkeiten im Garten- und Landschaftsbau bzw. in  mehreren ausgelagerten Gruppen- und Einzelarbeitsplätzen des 1. Arbeitsmarktes. Die Jura-Werkstätten e. V. würden gerne noch mehr Mitarbeitende vermitteln, um Menschen mit Handicap eine berufliche Perspektive zu geben. Es besteht auch im Rahmen von Erprobungs- und Praktikumsphasen für Menschen mit Behinderung die Möglichkeit in das Aufgabengebiet hinein zu schnuppern. So können sich Arbeitgeber von den Fähigkeiten und Fertigkeiten des Praktikanten überzeugen.

Michael Birner, der Fraktionssprecher der ÖDP im Kreistag, appellierte an alle gewerblichen und kommunalen Arbeitgeber dieses Angebot aufzugreifen und stellte fest: „Inklusion kann nicht beim Eintritt in das Berufsleben aufhören.“

Eduard Freisinger und die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Amberg-Sulzbach e. V., Katrin Panek, stellten den Entwurf der Großen Koalition für das Bundesteilhabegesetz vor.

Die Lebenshilfe Amberg-Sulzbach e. V. stellt sich hinter die Position des Lebenshilfe-Landesverbandes Bayern und der anderen Wohlfahrtsverbände.

Diese sehen große Teile des Referentenentwurfes zum Bundesteilehabegesetz, v.a. auch in Zusammenhang mit dem Referentenentwurf zum PSG III sehr kritisch. Zwar gebe es Verbesserungen für Menschen mit Behinderung, insbesondere bei der Anrechnung von Vermögen. Der vorgesehene Vorrang der Pflege in der eigenen Häuslichkeit hingegen werde Menschen mit Behinderung vielfältig vor erhebliche Probleme stellen. Aber auch im stationären Bereich werde es aufgrund des vorgesehenen Strukturwandels viele Unsicherheiten und Unwägbarkeiten für die betroffenen Menschen geben. Die Stellung der Leistungsträger wird durch den Referentenentwurf wesentlich gestärkt, v.a. im Vertragsrecht. Auf Seiten des Lebenshilfe-Landesverbands Bayern als Leistungserbringer hingegen überwiegen die Unsicherheiten über die zukünftige Erbringung von Teilhabeleistungen sowohl in fachlicher als auch in leistungsrechtlicher Hinsicht.

Michael Birner griff die Einwände der Fachleute auf und appellierte deshalb an die regionalen Bundestagsabgeordneten Barbara Lanzinger und Alois Karl (beide CSU) und an die Abgeordneten aller Fraktionen, ihren Einfluss geltend zu machen. Nur so könnten noch Änderungen erreicht werden, die den Bedürfnissen von Menschen mit Behinderung gerecht werden.


Zurück