12.05.2017

Jedes Jahr um diese Zeit,

Stephan Treffler

werden die letzten Briefe verschickt: Gefahrenbriefe! Schüler sind gefährdet. Sie drohen das Jahresziel nicht zu erreichen und das Schuljahr endet nun mal nicht im Dezember. Das Ritual wiederholt sich: Tausende von Gymnasiasten und Realschülern werden von vermeintlich höherwertigen Schulen ab- und an Mittelschulen angemeldet. Sie wurden in der Grundschule angetrieben, unter Druck gesetzt, mit Nachhilfe überfrachtet. Dem liegt ein völlig falsches Verständnis des dreigliedrigen Schulsystems zugrunde: Das Gymnasium sei gut, die Realschule mittelmäßig und die Mittelschule ist ein Auffangbecken für diejenigen, welche diese beiden nicht schaffen. Dabei sollten nicht die Kinder einer bestimmten Schulart angepasst werden, indem man sie „upgradet“. Das geht bei Programmen, nicht bei Menschen. Diese sollten zur gewählten Schulart passen und die Schule zum Kind. Wenn sich Eltern da nicht ändern, und das tun sie anscheinend nicht, dann muss die Politik eingreifen: Wir fordern seit Jahren eine längere gemeinsame Schulzeit in der Grundschule, zumindest einmal bis zur 6. Klasse. Dann fallen Entscheidungen leichter, vieles wird klarer, Druck, Leid und Not kann vermieden werden.

Kategorie: Bildung