22.01.2016

Fairhandel kontra Freihandel = Flüchtlingspolitik

Lucia Fischer

Jemand in Bangladesch oder einem der anderen „ wirtschaftlich nicht privilegierten“ Länder ist gezwungen, ein Produkt unter den unwürdigsten Arbeitsbedingungen zu einem Hungerlohn herzustellen. Es ist doch selbstverständlich, dass dieser Mensch irgendwann in das Land will, wo seine mühselig produzierte Ware zu einem für ihn horrenden Preis verkauft wird. Hier kann es doch nur Überfluss, „volle Fleischtöpfe“ und das Paradies auf Erden geben. Umgekehrt werden Lebensmittel aus Massentierhaltung, industrialisiertem Landbau und Akkord-Schlachtung in die Länder exportiert, die von ihrer landwirtschaftlichen Produktion zu einem für sie akzeptablen Preis leben sollen und wollen. Daraus entsteht die prekäre Situation, dass ein einzelner Bauer sich dem daraus entstehenden Preisdiktat beugen muss und nicht mehr wirtschaftlich produzieren kann. Er ist gezwungen, zusammen mit anderen Betroffenen Produktionsgenossenschaften einzugehen, was für ihn nur noch mit Nachteilen bestückt ist: Leben am Existenzminimum, Produktion zu vorgegebenen Bedingungen, Einsatz von chemischer Düngung mit Gesundheitsgefährdung, keine Altersvorsorge, null Perspektive. Die bestehenden und geplanten Handelsabkommen werden diese Auswirkungen nur noch verstärken. Das beste Beispiel dafür ist NAFTA, dass für viele mexikanische Bauern das „Aus“ ihrer Eigenständigkeit verursacht hat. Der Schlüssel der aktuellen Problematik liegt also darin, vor Ort wirtschaftliche Bedingungen zu schaffen, die den Menschen dort helfen wieder zu „leben“. Die Sehnsucht nach dem vermeintlichen „Schlaraffenland“ in den Industrieländern bildet sich dann von selber zurück.

Kategorie: Innere Sicherheit